Nach Operationen können besondere Regeln eine gute Genesung sichern

Operationen im Mund können ganz unterschiedlich sein - spezielle Verhaltensregeln sind dann zu beachten, um eine gute Heilungsphase und ein individuelle optimales Ergebnis erreichen zu können.

Schon ganz generell gibt es jedoch einige Dinge, die man beherzigen sollte nach einem operativen Eingriff.

Die Hinweise auf dieser Seite (wie auch auf der gesamten Site) ersetzen nicht die zahn-/ärztliche Untersuchung, Diagnostik und Therapie! Suchen Sie ggf. Ihre Therapeuten auf, um fundierten medizinischen Rat zu erhalten!

Die im folgenden gegebenen Ratschläge und Empfehlungen richten sich ausschließlich ergänzend an die Patientinnen und Patienten der Praxis Dr. Kolle und sind nicht als Therapieempfehlung zu verstehen.

postoperatives Verhalten

Eine Operation ist kein Friseurbesuch! Nehmen Sie sich zurück, reduzieren Sie die körperlichen, geistigen und seelischen Anstrengungen für die kommenden Tage, machen Sie sich mal frei von den Alltagspflichten! 

  • Eventuell aufgelegte Stofftuper entfernen Sie bitte 20 - 60 Minuten nach der Operation. Eventeull aufgebrachte Verbandssalbe (klebriger gelblich-roter "Glibber") lassen Sie bitte in Ruhe, sie löst sich binnen 24 Stunden auf.
  • Vermeiden Sie das Saugen an Wunden, berühren Sie z. B. für Reinigungszwecke die Wunden nur mit sauberen, desinfizierten Gegenständen oder Fingern, wenn nötig.
  • Vermeiden Sie häufiges Ausspülen, insbesondere das Aufblähen der Wangen und Über-/Unterdruck im Mund für mindestens 2 Tage!
  • Chlorhexidin enthaltende Mundspüllösungen können eine Mundpflege mit Zahnbürste, Zahnseide etc. nicht ersetzen, nach umfangreichen Maßnahmen kann ihre Anwendung jedoch sinnvoll sein, auch kaltem Kamillen- oder Salbeiaufguss (Tees) werden im Allgemeinen antiseptische Wirkungen zugeschrieben. Beachten Sie hierzu bitte auch den Abschnitt über Homöopathie!
  • Zähneputzen, Zahnseide etc. werden Sie direkt in operierten Bereichen einige Tage lang vorsichtig einsetzen, das ist in Ordnung, so lange das Restgebiss und/oder herausnehmbarer Zahnersatz gut gereinigt werden.  Beachten Sie hierzu bitte auch den Abschnitt über Homöopathie!
  • Wenn Sie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhalten haben, arbeiten Sie bitte wirklich nicht!
  • Vermeiden Sie körperliche Anstrengung, Bücken, das Heben schwerer Lasten!
  • Rauchen kann die Durchblutung nachhaltig verschlechtern, Schmerzen und Wundheilungsstörungen werden in der Fachliteratur hierauf zurückgeführt. Eine Operation ist eine gute Gelegenheit, das Rauchen aufzugeben!
  • Vermeiden Sie unvergorene Milchprodukte, scharfe Speisen und Alkohol für mindestens 2 Tage. Körnchenreiche Nahrung kann die Mundhygiene erschweren!
  • Vermeiden Sie die direkte Sonne und Räume mit Temperaturen über 25°C oder Rotlichtbestrahlung!
  • Ruhen Sie sich gern auf dem Sofa aus, vermeiden Sie jedoch Liegepositionen, da im Liegen der Blutdruck im Kopfbereich höher ist und damit Schwellung und Nachblutung wahrscheinlicher werden. Eine gute Nachtruhe ist allerdings wichtiger als die Beachtung dieser Empfehlung.
  • Üben Sie für mindestens eine Woche keinen Sport und keine Krankengymnastik aus, vermeiden Sie Konditionssport für mindestens 2 Wochen, Kontakt- und Ballsportarten eher für 4 Wochen.
  • Nach Entfernung verlagerter Zähne aus dem Unterkiefer oder Implantationen im Unterkiefer vermeiden Sie Ball- und Kontaktsportarten sowie "schnelle" Sportarten wie z.B. Skifahren für mindestens 2 Monate, denn evtl. ist die Gefahr eines Kieferbruchs erhöht!
  • Vermeiden Sie für mindestens 3 Tage Verkehrsmittel, die das Tragen eines Integralhelms erfordern!
  • Vermeiden Sie Räume oder Plätze mit Menschenmassen oder Gedränge!
  • Besuchen Sie für eine Woche kein öffentliches Schwimmbad, baden Sie nicht in Naturgewässern!

Nach Kieferhöhlenoperation oder-beteiligung

Die Kieferhöhlen sind luftgefüllte Hohlräume im Schädel, die neben den Nasenhöhlen liegen und über diese natürlicherweise  belüftet und gereinigt werden.

Bei der Entfernung von Zähnen im seitlichen Oberkiefer, bei Wurzelspitzenkürzungen, der Operation von Zysten dort oder bei der Anwendung von Verfahren zur Verlegung des Kieferhöhlenbodens (Sinuslift) im Rahmen von Implantationen kann die Trennung von Mund und Kieferhöhle beabsichtigt oder zufällig aufgehoben werden.

Um eine gute Verheilung dieser künstlichen Öffnung zu fördern, 

  • vermeiden Sie das Naseputzen (Schneuzen) für mindestens 10 Tage,
  • halten Sie ein Niesen nicht zurück sondern lassen Sie die Luft zugleich durch Mund und Nase heraus,
  • vermeiden Sie den Aufbau von Druckunterschieden zwischen Nase und Mund (Druckunterschiede entstehen z. B. durch intensives Spülen oder Trinken mit dem Trinkhalm),
  • Halten Sie ggf. die natürliche Öffnung zwischen Nase und Kieferhöhle geöffnet, indem Sie kurzfristig täglich abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays einsetzen,
  • führen Sie für mindestens 10 Tage KEINE Nasenspülungen durch!
  • Nehmen Sie evtl. verordnete Antibiotika nach Vorschrift ein!

Nach Implantationen

In der Regel lassen wir Implantate gedeckt einheilen, nach dem Vernähen ist also nichts von den Systemteilen zu sehen.

Bei besonderen Formen jedoch (transgingivale Implantattypen) oder wenn die Implantate schon während des Ersteingriffs sehr fest im Knochen stehen, schaut schon ein Zahnfleischformer durch die Schleimhaut ganz oder teilweise heraus.

Gestützt durch wissenschaftliche Erkenntnisse gehen wir in diesen Fällen davon aus, dass eine zufällige Belastung mit weichen Speisen die Verheilung eher fördert als verhindert, insbesondere bei der Sofortversorgung von Implantaten verankern wir bereits den langfristigen Zahnersatz oder ein Langzeitprovisorium auf den Implantaten.

Bitte knacken Sie damit keine Nüsse, auch die (immer unsachgemäße) Verwendung als Flaschenöffner ist nicht, was wir erwarten. Sie sollten sich nach einer Implantation zunächst weicher ernähren, harte Speisen meiden!

Zahnersatz soll umgehend sanft aber gut gepflegt werden, auch durch das Zahnfleisch herausschauende Zahnfleischformer (Sulkusformer) sollten nach dem Abschwellen sanft sauber gehalten werden, z.B. mit einem Wattestäbchen, das sie gern zuvor z.B. in Chlorhexidin-Mundspül-Lösung tränken können.

Auch nach abgelaufener "Einheilungszeit" und erfolgter "Freilegung" von Implantaten gehen Sie bitte zunächst vorsichtig zur Sache, eine plötzliche wiederholt starke Krafteinleitung kann einen frühzeitigen Implantatverlust begünstigen. Kauen Sie also mit neu aufgesetztem Zahnersatz zunächst weichere Speisen!

Haben Sie das Gefühl, dass der "Biss" mit neuem Zahnersatz noch nicht ganz stimmt, stellen Sie sich lieber einmal mehr als zu selten bei Ihrer Zahnarztpraxis vor.

Nach Zahnfleischoperationen

Wir gehen in unserer Praxis überwiegend wiederaufbauend (regenerativ) vor. Diese Eingriffe weisen - obwohl es äußerlich kaum erkennbar ist - die größten Wundflächen auf. Auch wenn Sie keine Nachbeschwerden haben sollten: Nehmen Sie die oben genannten Verhaltensregeln bitte ernst!

  • Ernähren Sie sich bitte zunächst milchfrei und vitaminreich!
  • Weiche, ggf. passierte (durchgedrückte) Kost verhindert i.d.R. das Einbeißen von Speisen, entfernen Sie z.B. harte Rinden von Brot oder weichen Sie sie ein.
  • Postoperativ sind die Zähne für einige Wochen noch mehr gelockert, das ist i.d.R. normal.
  • Zahnbürste und Zahnseide bitte zunächst nur sanft einsetzen, jedoch gründich pflegen! Beachten Sie hierzu bitte auch den Abschnitt über Homöopathie!
  • Geschiente Bereiche pflegen Sie bitte besonders gründlich, ggf. unter Zuhilfenahme von Chlorhexidin-Mundspüllösungen oder abgekühlten Kamillen- und Salbeitees. Dadurch entstehende braun-rote Verfärbungen sind oberflächlich und können später entfernt werden.
  • Nach ca. 4 - 6 Wochen ist i.d.R. die schwierigste Phase erreicht, das bedeckende Gewebe ist dünn, die Lücken sind ggf. groß. Eine intensive Reinigung ist erforderlich, um dem nun nachwachsenden Gewebe die Anlagerung und die Auffüllung der Hohlräume zu ermöglichen, bleiben Sie dran!
  • Nehmen Sie binnen zwei Monaten einen Prophylaxetermin in unserer Praxis wahr!

Nach Bindegewebetransplantationen oder Matriximplantation

Wenn Bindegewebe aus dem Gaumen entnommen wurde, wird die dortige Haut in aller Regel ausgetauscht. Je nach Durchblutungssituation kann dies schmerzlos geschehen oder deutliche Beschwerden verursachen.

  • Bitte nicht rauchen!!!
  • Bei stärkeren Schmerzen ggf. Wasser-Eiswürfel zwischen Zunge und Gaumen zergehen lassen, nicht lutschen!
    Schmerzmittel nach Anordnung einnehmen!
    Erneut in der Praxis vorstellen, damit wir mit dem Softlaser nachbehandeln können.
  • Evtl. herausschauende Bindegewebeanteile oder Matrixteile in Ruhe lassen, Zahnbürste oder Zahnseide  haben hier gerade nichts verloren! Bitte ggf. erneut in der Praxis vorstellen.
  • Eine evtl. eingesetzte Verbandsplatte (Tiefziehschiene) im Oberkiefer bitte für eine Woche beim Essen tragen, für die Zahnreinigung herausnehmen, auch die Tiefziehschiene sanft (und kalt) reinigen.

Kühlen - aber richtig!

Bitte kühlen Sie operierte Bereiche äußerlich durch

  • Auflage eines nassen Lappens 
  • nur auf dem operierten Gebiet, 
  • legen sie dabei Kühlpausen ein!

So kalt, wie das Wasser aus der Kaltwasserleitung kommt, ist es gut zum Kühlen geeignet. 

  • Verwenden Sie bitte kein Wasser aus dem Kühlschrank, verwenden Sie Coolpacks höchstens kurzzeitig und akut, maximal 1 Stunde nach der Operation, um seltener eintretende Schmerzen zu mildern bis ein eingenommenes Schmerzmittel wirkt.
  • KEIN EIS!
    Verwenden Sie bitte kein Eis zum Kühlen nach einer Operation, auch nicht so, dass Sie es in einen Lappen stecken!
  • Kühlen Sie nicht das Auge oder den Hals mit. Lidödeme oder eine Erkältung können sonst eintreten.
  • Zu kaltes oder zu ausgedehntes Kühlen kann zu einer überstarken Durchblutung mit nachfolgendem schmerzhaftem Ödem führen, es lagert sich also vermehrt Wasser ins Gewebe ein. Dadurch wird die Heilung gebremst, die Sauerstoffversorgung im Gewebe wird reduziert, Schmerzen stellen sich ein.

Schmerzmittel

Schmerzen sind Warnsignale unseres Körpers, wir sollten sie beachten. 

Nach Operationen muss mit Schmerzen gerechnet werden, sie sind also normal. Natürlich kann man durch richtiges Verhalten und auch mit Schmerzmitteln etwas dagegen tun. Nehmen die Schmerzen jedoch nach mehr als 2 Tagen nicht ab sondern eher zu, wenden Sie sich bitte an Ihre Behandler für weitere Hilfe!

Schmerzmittel haben Wirkungen und Nebenwirkungen! Schmerzmittel können sehr gut helfen, sie können jedoch auch insbesondere bei falscher Anwendung schwere Nebenwirkungen entfalten.

  • Verwenden Sie Schmerzmittel nach Anweisung der Behandler und unter Beachtung des Beipackzettels!
  • Halten Sie die erlaubte Tageshöchstdosis ein!
  • Unterschiedliche Schmerzmittel (z.B. Paracetamol, Ibuprofen, Novaminsulfon,...) können ggf. abwechselnd eingenommen werden, beachten sie dazu den Beipackzettel und holen Sie ggf. den Rat Ihrer Hausarztpraxis oder Ihrer Behandler ein!

In der Regel haben Sie in unserer Praxis vor der Operation bereits ein Mittel erhalten, damit die erste Entzündungsreaktion gedämpft wird, eventuell eintretende erste Schmerzen somit abgemildert oder ganz vermieden werden.

Auch wenn Sie dann vollkommen schmerzfrei durch den Tag kommen, kann es sinnvoll sein, zur ersten postoperativen Nacht eine Dosis des verordneten Schmerzmittels einzunehmen, um durch eine gute Nachtruhe die Genesung zu fördern.

Bitte beachten Sie, dass die anderen postoperativen Verhaltensregeln und insbesondere das richtige Kühlen Schmerzen vorbeugen und beseitigen können! Bitte halten sie die anderen Regeln ein!

Antibiotika sind KEINE Schmerzmittel. Ein Antibiotikum ist ein Mittel, das gegen Bakterien oder Pilze (Antimykotikum) eingesetzt wird. Da es damit ggf. eine Abwehr-Entzündung lindert, kann es mittelfristig indirekt Schmerzen lindern, die Einnahme kann jedoch Resistenzen bewirken und Nebenwirkungen auslösen. Nehmen Sie Anbiotika bitte nur nach zahn-/ärzticher Anordnung ein.

Homöopathie

Nach der zusätzlichen Anwendung von Homöopathie muss der Kontakt mit starken ätherischen Ölen, Kräutertees und Kaffee für 2 Tage vermieden werden, um die "eingespielte Information" nicht zu löschen. 

Vermeiden sie deswegen für 2 Tage:

  • handelsübliche Mundspüllösungen
  • Kräuter, Kräutertee, Kräuterspülungen
  • Kaffee, Schwarztee
  • Zahncreme (außer spez. Homöopathie-Produkte)
  • Parfum, Aftershave

Die häufigste adjuvante Therapie geht gegen Schwellung und Nachblutung vor, sollten Sie versehentlich die Regel gebrochen haben, dauert es üblicherweise 30 - 60 Minuten und die postoperative Schwellung wird stärker, dies ist dann unangenehm, jedoch kein Grund zur Sorge. Bitte beachten sie die Kühlhinweise!

Die zusätzliche häusliche Anwendung von Homöopathika durch Laien können wir nicht empfehlen, das liegt in Ihrer Verantwortung. Vermeiden Sie aber insbesondere Arnika in den Potenzen D6 oder D12, wir haben wiederholt inverse Reaktionen im Sinne einer "Medikamententestung" in solchen Fällen beobachtet (Nach- und Einblutungen, ausgedehnte Schwellungen).

Wir wünschen gute Genesung!