Zahnfleischbehandlung

Die so genannte Zahnfleischbehandlung gliedert sich bei uns in mehrere Zeitabschnitte:

Nach der Feststellung von Problemen durch eine kurze Untersuchung, PSI, dann geht es zunächst in die Prophylaxe. Dort werden mit weiteren Untersuchungen der häusliche Pflegeerfolg und die Blutungsneigung gemessen (s. API und SBI), die uns in Grenzen den Grad der Entzündung anzeigt. Hier gehen wir auf die individuell erforderlichen Pflegeverbesserungen ein, demonstrieren Pflegehilfsmittel und reinigen die Zähne gründlich. Dieses Vorgehen wiederholen wir nach mehreren Wochen. Hierbei möchten wir eine Verbesserung der Pflegewerte sehen (der API halbiert sich oder erreicht Werte unter 30%) und beobachten mit dem SBI die Gewebereaktion.

Sollte die Entzündung weiterhin “blühen”, führen wir ggf. eine Laser - Desinfektion der Zahnfleischtaschen durch, stellen Medikamententrägerschienen her und geben diese zur häuslichen Verwendung mit Chlorhexidin (Desinfektionsmittel) mit oder veranlassen weiterführende Untersuchungen beim Hausarzt.

Dann geht es in die Therapieplanung. Hierbei sind wir sehr offen mit unseren Patienten.

Die Parodontitis kann als chronische Erkrankung betrachtet werden. Ist die häusliche Mundhygiene nicht erfolgreich genug oder reagieren die Gewebe weiterhin mit einer aggressiven Entzündung, dann empfehlen wir eher die Entfernung aller mehrwurzeligen Zähne, die einen mittelgradigen Knochenabbau haben und aller einwurzeligen Zähne, die einen stärkeren Knochenabbau aufweisen.

Der zu wählende Zahnersatz sollte ggf. umbaubar und erweiterbar sein. Auch Lösungen mit Implantaten können hier gute Dienste leisten, man muss sich jedoch der Tatsache bewusst sein, dass auch Implantate (s. Implantate) dem Gewebeabbau zum Opfer fallen können, wenn Entzündungsreize (Mundhygiene!) und die genetische Veranlagung zusammentreffen.

Für die weitere Planung messen wir die vorhandenen Zahnfleischtaschen aus, notieren die Zahnbeweglichkeiten, machen uns Modelle. Über das 3D-Röntgen (s. 3D-Röntgen) verschaffen wir uns dann einen dreidimensionalen Überblick über das Ausmaß der Knochenzerstörung und klären im Folgenden die Erhaltbarkeit der Zähne und die Art der Therapie.

Als Therapie der Parodontitis wählen wir sehr häufig die Regeneration des Zahnhalteapparats. Hierzu verwenden wir ein von Schwein gewonnenes Eiweiß, dass der ausgewachsene Mensch nicht mehr selbst produziert (Schmelzmatrixprotein) und bringen es während einer Operation in den intensiv gereinigten Taschenbereich ein, ergänzt mit Keramik, die der Körper in den folgenden Monaten bei gutem Heilungsverlauf überwiegend zu neuem Knochen umbildet. Das Eiweiß “erinnert” die Körperzellen daran, dass sie selbst in der Lage sind, neues Wurzelzement und neue Haltefasern zu bilden, was bei gutem Verlauf auch in individuell unterschiedlichem Maße geschieht.

Auch Transplantationen von Bindegewebe oder Zahnfleisch sowie Mundvorhofplastiken zur Zahnfleischverbreiterung führen wir regelmäßig aus, um die Hygiene zu erleichtern oder offen liegende Wurzelbereiche wieder zu bedecken.

  • regenerative Zahnfleischbehandlung

    Bilder: Straumann GmbH

  • regenerative Zahnfleischbehandlung

    Bilder: Straumann GmbH

  • regenerative Zahnfleischbehandlung

    Bilder: Straumann GmbH

  • regenerative Zahnfleischbehandlung

    Bilder: Straumann GmbH

  • regenerative Zahnfleischbehandlung

    Bilder: Straumann GmbH

  • regenerative Zahnfleischbehandlung

    Bilder: Straumann GmbH

  • regenerative Zahnfleischbehandlung

    Bilder: Straumann GmbH

Begriffe...

Zahnfleischentzündung - Gingivitis:

Eine entzündliche Veränderung des Zahnfleischrands in Folge von Schmutz (Plaque), überstehenden oder rauen Restaurationsrändern, Hormoneinflüssen (Schwangerschaft!) oder Allgemeinerkrankungen. Die Gingivitis geht nach “Verschwinden” der Ursache wieder komplett zurück.

Zahnbettentzündung - Parodontitis - Paradontitis:

Eine entzündliche Veränderung des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparats (Haltefasern, Knochen, Wurzelzement). Die Ursachen sind die gleichen wie bei der Gingivitis + nach derzeitigem Wissensstand eine erbliche Veranlagung zu aggressiver Immunabwehr und wohl bestimmte Bakteriengruppen. Nein, eine Parodontitis entsteht (außer in SEHR seltenen Fällen) nicht primär durch Veranlagung, sondern durch Hygieneprobleme. Erst in vorhandenen Taschen kann es sich eine charakteristische “Wohngemeinschaft” krankmachender Keime gemütlich machen und die Parodontitis “blühen” lassen.

Zahnfleischtasche:

der Bereich zwischen Zahn und Zahnfleisch, der recht widerstandslos mit einer stumpfen Sonde ausgetastet werden kann. Bis 3 mm Tiefe an Zähnen (3 - 5 mm an Implantatkronen) gelten als gesund, darüber hinaus spricht man von einer pathologischen (kranken) Tasche, bei fehlender Knochenzerstörung von einer Pseudotasche (Scheintasche).

Bild: Straumann GmbH