Wie pflegt man Zahnersatz, Schienen, Prothesen für sich und andere?

Wie man Zähne putzt, glaubt jeder zu wissen.

Wie man es aber effektiv und richtig macht, kann man bei uns in der Prophylaxe lernen ;-)


Zahnersatz, Knirscherschienen, Prothesen usw. wollen jedoch auch richtig gepflegt sein!

Wir erklären hier, woraus die Werkstücke bestehen, wie man sie pflegt und mit ihnen umgeht.

Dabei beschränken wir uns auf die Arten, die wir selbst herstellen oder eingegliedert haben.

Festsitzender Zahnersatz

Hierunter verstehen wir Zahnersatz, der nicht von Patienten aus dem Mund herausgenommen werden kann. Teilkronen, Kronen und Brücken also, zementierte oder geklebte Konstruktionen, die aussehen wie eigene Zähne.

Bestandteile

Seit vielen Jahren setzen wir für langfristige Versorgungen nur Kronen und Brücken aus Keramik ein.

  • Zirkonoxidkeramiken, ggf. mehrfarbig verblendet mit Feldspatkeramik im Seitenzahnbereich, für Keramikkappen auf Implantaten, große Brücken oder bei Gesamtsanierungen auch für Einzelkronen um optische Unterschiede gering zu halten
  • Glaskeramiken, ggf. bemalt und keramisch glasiert für kleinere Brücken und für Einzelkronen im Seitenzahnbereich
  • Feldspatkeramiken, mehrfarbig geschichtet, ggf. bemalt und keramisch glasiert für Einzelkronen und Verblendschalen (Veneers) im Frontzahnbereich
  • Hybridkeramiken, mehrfarbig geschichtet, ggf. bemalt und glasiert für Einzelkronen auf Implantaten im Seitenzahnbereich.

Für langzeitprovisorische Brücken und Kronen setzen wir ein:

  • PMMA, Polymethylmetacrylate, mehrfarbig geschichtet, ggf. ergänzt mit Füllungskompositen für langzeitprovisorische Brücken und Kronen

Verwendung

Kronen und Brücken sind für zahntypische Verwendung vorgesehen.

Genau so wenig wie man mit den eigenen, natürlichen Zähnen Nüsse knacken, Flaschen öffnen oder Steine kauen sollte, darf man dies mit Ersatzkronen tun.

Auch das Ablitzen von Kabeln, das Aufreißen von Verpackungen mit Kronen im Schneidezahnbereich wäre eine nicht vorgesehene Verwendung.

Zähne und Kronen dienen dem Abtrennen / Abbeißen und kauendem Zerkleinern von mittelharter bis weicher Nahrung. Rohes Gemüse etwa stellt im Normalfall keine Schwierigkeit dar. Natürlich sind Zähne und Kronen auch zum Sprechen da und gewährleisten ein möglichst natürliches Aussehen.

Veneer - Versorgungen weisen typischerweise ihre Klebefuge etwa in der Abbeißrichtung auf. Eine Abscherung durch Abbeißen harter oder besonders elastischer Lebensmittel (z.B. Baguettekruste) ist daher möglich, ein seitliches Abbeißen oder die Auswahl anderer Lebensmittel kann das Risiko verringern.

Hybridkeramiken sollen die Kaulast für Implantate abfedern. Ihre Elastizität kann bei punktuell starker Belastung zum Bruch der Krone führen. WEiche bis mitttelharte Nahrung vermeidet dieses Risiko.

PMMA ist eine Kunststoffart. Wegen der geringeren Festigkeit sind sehr feste Speisen und starke Kauanstrengungen mit Provisorien zu vermeiden.


Pflege

Kronen und Brücken sollen mit den noch vorhandenen Zähnen durch mechanische Reinigung mittels Zahnbürste, Zahnseide, Dental Floss und ggf. verstärkter Brückenzahnseide (z.B. Superfloss®) rundherum gereinigt werden, also auch im Zahnzwischenraum!

Besonderes Augenmerk ist dabei auf Zahnfleischränder und Klebefugen / Zementierungsfugen zu legen, um zuverlässig bakterielle Beläge zu entfernen.

Unter Brückenkörpern (Brückenbereiche, die fehlende Zähne ersetzen) sollen täglich mit Brückenzahnseide Belag und abgeschilferte Mundschleimhaut entfernt werden.

Wie diese Hilfsmittel einzusetzen sind, können Sie in unserer Prophylaxe kontrolliert erlernen.


Während Vollkeramik gegenüber chemischen und bakteriellen Einflüssen unempfindlich ist, sind Zähne, Zahnwurzeln und Zemente säure-/basen-empfindlich. Sehr saure Lebensmittel (z.B. manche Erfrischungsgetränke, Zitrusfrüchte im direkten Kontakt, saure Süßigkeiten) sollten daher gemieden werden.

Herausnehmbarer Zahnersatz: Prothesen, Hybridprothesen, herausnehmbare Brücken

Zahnersatz, der mehrfach täglich durch seine Träger herausgenommen werden soll, wird als Prothese oder herausnehmbare Brücke (Sonderform) bezeichnet.

Bestandteile

Von innen nach außen:

Konfektionierte Verankerungselemente auf Implantaten sind Systemteile des jeweiligen Implantatherstellers oder Lizenzgebers. Sie bestehen i.d.R. aus

  • Spezialstahl, Titanstahl oder
  • Vollkeramik

Konfektionierte Verankerungselemente in herausnehmbarem Zahnersatz sind ebenfalls Systemteile des jeweiligen Implantatherstellers oder Lizenzgebers.
Sie bestehen i.d.R. aus

  • Spezialstahl oder
  • PEEK (Polyetheretherketon) oder
  • Ferromagnet in Spezialstahlkapsel (Magnetbefestigung)

Primärteleskopkronen aus

  • Zirkonoxidkeramik

Prothesengerüste und Brückengerüste aus

  • PEEK (Polyetheretherketon)

Prothesenkörper und Gerüst-Ummantelung, Prothesenzahneinfassung aus

  • PMMA (Polymethylmetacrylat), lichthärtend (3D-Druck, Photopolymerisation) und Autopolymerisate

Prothesenzähne und Verblendungen an herausnehmbaren Brücken aus

  • industriegefertigten Prothesenzähnen
  • PMMA-Komposit-Verblendungen aus lichthärtendem Verblendungskomposit

Halteklammern bei Klammer- und Übergangsprothesen aus

  • PEEK (Polyetheretherketon) oder
  • dentalem Edelstahl

Verwendung

Herausnehmbarer Zahnersatz dient zur Wiederherstellung verloren gegangener Kaufunktion, Sprachfähigkeit und natürlicher Ästehtik.

Die Kaufähigkeit ist konstruktionsbedingt eingeschränkt, mit Kunststoff-"Zähnen" können sehr feine oder feste Speisen sowie klebrige Nahrungsmittel nur mäßig bearbeitet werden. Herausnehmbarer Zahnersatz muss eine höhere Elastizität aufweisen als festsitzender, folglich ist die mechanische Belastbarkeit verringert, eine höhere Elastizität wird bei jedem Werkstoff mit Ermüdung und zunehmender Porosität erkauft, was nach längerer Belastung in Rissen und Bruchschäden münden kann.

Das Kauen weicher bis mittelharter Kost soll überwiegend gut möglich sein, Grenzen werden vor allem auch beim Abbeißen durch die konstruktionsbedingten statischen Beschränkungen gesetzt, das Lösen von Druckknöpfen oder Magneten schützt Verankerungsimplantate vor Überlastung, das Herausgleiten von Teleskopen bei sehr klebriger Nahrung entspricht der Entnahmemechanik und ist systembedingt unvermeidbar.

Somit dient herausnehmbarer Zahnersatz in Grenzen der natürlichen Nahrungsaufnahme, je nach Verankerung und Herstellungsvariante bestehen Einschränkungen.

Das Einsetzen und Herausnehmen geschieht

  • bei Druckknopf- (Locator®-)Prothesen durch waagerechtes Abziehen/Einsetzen im Reißverschlussprinzip möglichst ohne starke Prothesenkippung
  • bei magnetverankerten Prothesen durch waagerechtes Abziehen/Einsetzen möglichst ohne starke Prothesenkippung
  • bei teleskopierenden Prothesen und herausnehmbaren Brücken OHNE starke Kraft durch gleichseitiges waagerechtes Abziehen/Einsetzen (Kippung führt zur Verkantung und Blockierung mit Beschädigungsgefahr für Pfeiler und Zahnersatz)
  • bei klammerverankerten Prothesen durch waagerechtes Abziehen/Einsetzen möglichst ohne starke Prothesenkippung

Implantatmagnete - müssen vor MRT-Untersuchungen durch uns entfernt werden!!!

Pflege

Die verankernden Pfeiler eines herausnehmbaren Zahnersatzes bedürfen der gleichen Zuwendung wie natürliche Zähne oder festsitzender Zahnersatz (s.o.)

Legen Sie vor dem Herausnehmen und Reinigen des Zahnersatzes ein Handtuch oder einen großen Waschlappen über das Waschbecken, um seine Beschädigung durch versehentliches Herunterfallen zu vermeiden!
Halten Sie Zahnersatz stets gut fest, arbeiten Sie stets in geringer Höhe über gepolsterten Unterlagen!

Herausnehmbarer Zahnersatz soll mit der Hand mittels Kunststoffbürsten und Zahncreme, Seife oder Gallseife gereinigt werden.

Er ist chemisch unempfindlich gegen Säuren und kann daher nach mechanischer Reinigung auch mit Zitronensäure entkalkt werden. Verwenden Sie dazu nur lebensmittelechte Produkte, wie z.B. zur Kaffeemaschinenentkalkung!
Hilfreich ist dabei ggf. die Einlage in ein Ultraschallbad, dabei sollte immer nur eine Prothese in einer wässrigen Lösung eingelegt werden, keine anderen Hartkörper! Das Ultraschallbad darf erwärmt werden.

Unser Zahnersatz ist kurzzeitig unempfindlich gegen Alkohol und kann gelegentlich alkoholisch desinfiziert werden. Auch Wasserstoffperoxid bis 10% Konzentration kann desinfizierend und entfärbend (Fügespalten) eingesetzt werden. Lassen Sie den Zahnersatz maximal 10 Minuten in solchen Lösungen. Prothesenreiniger enstsprechen einer schwachen Variante solcher Bäder.

Spülen Sie den Zahnersatz nach der Reinigung gründlich mit klarem Wasser ab, halten Sie den Zahnersatz stets gut fest!

Soll er nachts nicht getragen werden, verwahren Sie ihn sturzsicher in einer schützenden Dose auf (Hygrophor, Feuchtigkeitserhalt im Zahnersatz). Desinfizieren Sie die Dose regelmäßig und lassen Sie sie tagsüber durchtrocknen!
ACHTUNG: Teleskopierende Prothesen und Brücken auch nachts tragen, um einer Pfeilerwanderung vorzubeugen!
Implantatverankerten Zahnersatz soll dann nachts getragen werden, wenn anderenfalls Implantataufbauten, Weichteile oder Gegenbezahnung beschädigt werden.


Der herausnehmbare Zahnersatz verträgt i.d.R. Temperaturbereiche von 0 bis 80 °C
Ein Einfrieren könnte durch eingelagertes Wasser zu Frostschäden führen.

Verwenden Sie keinesfalls Scheuermittel, Lösemittel für Lacke oder Nagellackentferner! Vermeiden Sie den Kontakt mit technischen Schmierfetten oder Ölen (kurzzeitiger Lebensmittelkontakt ist natürlich unbedenklich).

Der Zahnersatz ist lichtecht, lassen Sie ihn trotzdem nicht in direkter Sonneneinstrahlung liegen und setzen Sie ihn nicht trockener Hitze aus, eine ungleichmäßige Erhitzung könnte zu Spannungsschäden führen!

herausnehmbare Geräte

Sie werden - je nach Zweck und Ausführungsart - in unterschiedlichen Verfahren hergestellt.

Bestandteile

A Herstellung im Tiefziehverfahren:

  • Provisorienschienen
  • Verbandsplatten
  • zweiphasige Knirscherschienen

Bestandteile:

  • Polyethylenfolie
  • PMMA (Polymethylmetacrylat)

B Herstellung in Streupolymerisation

  • Knirscherschienen mit Führungsebenen (z.B. Michigan-Schiene)

Bestandteile:

  • PMMA (Polymethylmetacrylat), selbsthärtend

C Herstellung im 3D-Druck

  • Knirscherschienen
  • Apnoeschienen, Schnarcherschienen

Bestandteile:

  • PMMA (Polymethylmetacrylat), lichthärtend

Verwendung

Provisorienschienen werden mit einem provisorischen oder natürlichen Zahn im korrekten Fach steckend über den betreffenden Kiefer gesteckt. Sie schützen den zahnlosen Kieferabschnitt und stellen Ästhetik und Sprachfunktion weitgehend wieder her. Sie werden tagsüber und ggf. auch nachts getragen.

Knirscherschienen entkoppeln die Zahnreihen. Sie werden nachts und ggf. auch tagsüber getragen.

Apnoe- und Schnarcherschienen werden in Schlafperioden getragen, sie sollen die Verengung der Atemwege reduzieren helfen.


Einige der Geräte werden im Tiefziehverfahren hergestellt. Das bedeutet, dass eine stark erwärmte Kunststofffolie über ein Modell Ihrer Zähne gezogen und durch ein Vakuum bis zur Auskühlung in dieser Form gehalten wird.

Der Prozess ist teilweise umkehrbar, d.h. wenn eine solche Schiene erwärmt wird, wird sie wieder flacher und lässt sich nicht mehr einsetzen. Wird sie im erwärmten Zustand verbogen, kann sie verformt bleiben und wird auch dadurch unbrauchbar! 

Andere Geräte werden aus PMMA hergestellt, einem lichtempfindlichen und nicht dauerhaft feuchtestabilem Kunststoff.

Alle diese Geräte sind bei korrekter Handhabung von begrenzter Halt- oder Verwendbarkeit zwischen 2 und 24 Monaten. Beachten Sie also die folgenden Pflegehinweise!

Pflege

Legen Sie vor dem Herausnehmen und Reinigen von Apnoe- und Schnacherschienen ein Handtuch oder einen großen Waschlappen über das Waschbecken, um ihre Beschädigung durch versehentliches Herunterfallen zu vermeiden!
Halten Sie sie stets gut fest, arbeiten Sie stets in geringer Höhe über gepolsterten Unterlagen!

Herausnehmbare Geräte sollen mit der Hand mittels Kunststoffbürsten und Zahncreme, Seife oder Gallseife gereinigt werden.

Sie sind chemisch unempfindlich gegen Säuren und können daher nach mechanischer Reinigung auch mit Zitronensäure entkalkt werden. Verwenden Sie dazu nur lebensmittelechte Produkte, wie z.B. zur Kaffeemaschinenentkalkung!
Hilfreich ist dabei ggf. die Einlage in ein Ultraschallbad, dabei sollte immer nur ein Gerät in einer wässrigen Lösung eingelegt werden, keine anderen Hartkörper! Das Ultraschallbad darf kalt bis lauwarm sein.

Die Geräte sind kurzzeitig unempfindlich gegen Alkohol und können gelegentlich alkoholisch desinfiziert werden. Auch Wasserstoffperoxid bis 10% Konzentration kann desinfizierend und entfärbend (Porositäten) eingesetzt werden. Lassen Sie ein Gerät maximal 10 Minuten in solchen Lösungen. Prothesenreiniger enstsprechen einer schwachen Variante solcher Bäder.

Spülen Sie die Geräte nach der Reinigung gründlich mit klarem Wasser ab, halten Sie Apnoe- und Schnarcherschienen stets gut fest!

Verwahren Sie solche Geräte abseits von Tragezeiten und auf Reisen sturzsicher in einer schützenden Dose auf (Hygrophor, Feuchtigkeitserhalt im Gerät). Desinfizieren Sie die Dose regelmäßig und lassen Sie sie durchtrocknen während sie nicht verwendet werden!


Die Geräte vertragen i.d.R. Temperaturbereiche von 0 bis 40 °C.
Ein Einfrieren könnte durch eingelagertes Wasser zu Frostschäden führen. Stärkere Erwärmung führt zur Verformung der Geräte, was sie unbrauchbar macht!

Verwenden Sie keinesfalls Scheuermittel, Lösemittel für Lacke oder Nagellackentferner! Vermeiden Sie den Kontakt mit technischen Schmierfetten oder Ölen (kurzzeitiger Lebensmittelkontakt ist unbedenklich).

Die Geräte sind lichtempfindlich, lassen Sie sie nicht in direkter Sonneneinstrahlung liegen!

Chargen-bezogene Dokumentation der Herstellung von Medizinprodukten als patienteneigene Sonderanfertigung

Die exakten Bestandteile Ihrer in unserem Praxislabor hergestellten Werkstücke sind im Wesentlichen auf Ihrer Laborrechnung aufgelistet und nach europäischem und deutschem Recht über unsere Praxisverwaltungssoftware und das laborinterne Qualitätsmanagement vollständig und Chargen-bezogen nachvollziehbar.

Die hergestellten Medizinprodukt sind im Sinne der Verordnung EU 2017/745 eine Sonderanfertigung und ausschließlich für den/die in der Laborrechnung benannte/n Patienten/in bestimmt. Die Sonderanfertigung entspricht den in Anhang I der Verordnung EU 2917/745 genannten grundlegenden Sicherheits- und Leistungsanforderungen. Die Verarbeitung der Materialien erfolgt stets nach den entsprechenden Herstellerangaben.

Der Herstellungsort unserer Sonderanfertigungen ist das Praxislabor der Privatpraxis Dr. Georg Kolle, Celler Straße 18, Gifhorn, Deutschland.

Die verantwortliche Person ist Dr. Georg Kolle, ebenda.